Ausstattung

Hochaltar (Chor): Flügelaltar mit zweifacher Wandlung, vom "Meister des Regleraltars" geschaffen, der qualitätsvollste, besterhaltendste gotische Altar in Thüringen, kunstgeschichtlich von hohem Rang. Er zeigt in geschlossenem Zustand in der Predella gemalte weibliche Halbfiguren und auf den Flügelaußenseiten Apostel, Märtyrer und Heilige. Darüber erhebt sich das Gesprenge mit Maria als Himmelskönigin. In der ersten Wandlung werden auf vier Bildern Szenen aus der Passion Christi - die Dornenkrönung und Geißelung - und als Verherrlichung - Christi Himmelfahrt und Pfingsten - dargestellt. Im geöffneten Zustand, der Feiergsseite, erscheinen in überwiegendem Gold und Blau 13 Reliefs, die thematisch die Freuden und Leiden Marias und in der Mitte die Marienkrönung wiedergeben. Die geöffnete Predella zeigt ebenfalls in fünf Reliefs Szenen aus dem Martyrium der Hl. Katharina mit unmittelbarem Bezug auf die Christus-Nachfolge.

Geschnitzter Kruzifixus von beträchtlicher künstlerischer Qualität, um 1400 (über dem Taufstein)

Epitaph Heinrich von Frymar, Sandstein 1417 (an der südlichen Seitenschiffwand außen)

Wandmalerei mit Christus als Schmerzensmann mit Leidenswerkzeugen, um 1400, aber stark restauriert (Pfeiler an der Südseite)

Epitaph "Christus als Schmerzensmann", Sandstein bemalt, um 1480 (an der Chornordwand)

Abendmahlskelche, Silber vergoldet, 15. Bis 17. Jahrhundert

Taufstein mit Prophetengestalten am Sockel, 1602 von dem Bürger Hans Steinmetz gestiftet, Werkstatt Hans Fridemann d.J. (nördlich vor dem Chor)

Kanzelkorb mit vier Evangelistenfiguren, Frühbarock, aus der Klosterkirche Hamersleben (bei der letzten Restaurierung übernommen - südlich vor dem Chor)

Epitaph Reichardt, nach 1727, das der Begründer des wissenschaftlichen Gartenbaus in Erfurt, Christian Reichardt, für seine Eltern anfertigen ließ; Reich geschnitzte und vergoldete Arbeit (Südturm - Innenwand)

Orgel, dreimanualig, 37 Register und 2407 Pfeifen, 1972-1983 von der Orgelbaufirma Löbling in Erfurt errichtet.

Historie und Kunstgeschichte - ein kurzer Überblick

Im Jahr 1135 wurde die Reglerkirche gegründet. Die Geschichte der im Volksmund genannten "Regler" begann in der Allerheiligenkirche in der Allerheiligenstraße und in der Engelsburg. Dort entstand um 1117 ein Armenhospital, das von einer Bruderschaft von Kanonikern unterhalten wurde, die nach den Regeln des Hl. Augustin in klösterlicher Gemeinschaft lebten.

Blick nach Osten
Vermutlich um 1200 erfolgte die Verlegung des Stiftes und des Hospitals der "Regulierten Augustiner Chorherren" nach der noch im Bau befindlichen Reglerkirche in das neu entstandene Viertel zwischen Anger und der inneren Stadtbefestigung (dem heutigen Juri-Gagarin-Ring), dicht bei der Augustbrücke und dem Augusttor, von wo aus die Handelsstraßen nach Süddeutschland führten.

Die Reglerkirche war zugleich Stifts- und Pfarrkirche, letzteres für die Gemeinde aus Handwerkern, Gärtnern
und Kleinbauern, nicht nur für das Gebiet innerhalb der Stadtmauer, sondern auch für die Augustvorstadt bis zum Spielbergtor. Dazu gehörten die benachbarten Kapellen St. Albani und St. Gangolph, ferner die Mathäus- und die Lorenzkirche, sowie die Kirche in Bechstedt-Wagd.

Zum Wirkungsbereich des Klerikerordens der Augustiner-Chorherren gehörte in der Blütezeit vom 13. Bis 1. Jahrhundert neben der Pflege des Gottesdienstes vor allem die Hospitaltätigkeit unter einem Siechehausmeister mit Fürsorge um Kranke, Bedürftige, Pilger und Alterspfründner, dann die Ausbildung an einer eigenen Stiftsschule und die Seelsorge in den angeschlossenen Gemeinden. Das Wirken der Regler genoss in der Stadt großes Ansehen.

Daten zur Baugeschichte

Blick nach Westen